Kreuz Nürnberg-Hafen: Neue Verkehrsführung für Hafenbrücken-Neubau
Am Kreuz Nürnberg-Hafen gilt seit Montag, 21. September, eine grundlegend neue Verkehrsführung. Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (Sör) hat den Verkehr umgelegt, um Platz für den Neubau der Hafenstraßen-Brücke über den Main-Donau-Kanal zu schaffen. Die wichtigste Änderung: Wer auf Südwesttangente oder Frankenschnellweg in Richtung Feucht unterwegs ist, kann an der Anschlussstelle Nürnberg-Hafen-Ost nicht mehr abfahren.
Die Stadt bezeichnet die Erneuerung der Hafenbrücken als eines der größten Infrastrukturprojekte Nürnbergs. Die Kosten beziffert Sör auf seiner Projektseite nach derzeitigem Stand auf rund 347,5 Millionen Euro. Mit der Umstellung beginnen nach städtischer Darstellung die Hauptarbeiten auf der Achse Finkenbrunn – Hafenstraße.
Die jetzige Verkehrsführung soll voraussichtlich bis Anfang November bestehen bleiben. Dann wird erneut umgestellt.
Warum der Zubringer weichen muss
Die neue Kanalbrücke wird nicht an ihrer späteren Position gebaut, sondern zunächst am Ufer – auf der Fläche zwischen dem Kanal und dem Zubringer, der das Kreuz Nürnberg-Hafen mit der Anschlussstelle Nürnberg-Hafen-Ost verbindet. Weil die Konstruktion dort mehr Platz braucht, wird der bestehende Zubringer gesperrt und anschließend abgerissen. Ist die Brücke fertig, soll sie am Ufer um 90 Grad gedreht und dann in ihre endgültige Lage über dem Kanal gebracht werden.
Nach Angaben von Sör gehört das Kreuz zu den am stärksten belasteten Verkehrsknoten im Nürnberger Straßennetz. Dort treffen Verkehre aus dem Hafen, aus den angrenzenden Stadtteilen sowie von Südwesttangente, Frankenschnellweg und A73 aufeinander. Eine einzige Umleitungsstrecke für alle lasse sich deshalb nicht ausschildern, so die Stadt.
Was sich konkret ändert
Verkehr in Richtung Feucht, der ins Hafengebiet will, wird über die Anschlussstelle Nürnberg-Hafen-Süd und weiter über Marthweg, Wiener Straße, Hamburger Straße und Hafenstraße geführt. Auf der Hafenstraße in Richtung Finkenbrunn rollt der Verkehr über die neue Behelfsumfahrung. Die Auffahrt auf Südwesttangente beziehungsweise Frankenschnellweg in Richtung Fürth bleibt möglich.
Wer von der Hafenstraße in Richtung Feucht fährt, wird nach der bestehenden Brücke über den ehemaligen Parkplatz zur schon vorhandenen Behelfsauffahrt auf die A73 geleitet. Aus Richtung Feucht bleibt die Abfahrt ins Hafengebiet offen; für die Weiterfahrt in die Innenstadt gibt es einen neuen provisorischen Rechtsabbieger. Zwischen Finkenbrunn und Eibach ändert sich nichts.
Der Europakai, an dem Flusskreuzfahrtschiffe anlegen, bleibt erreichbar, auch für die Busshuttles in die Innenstadt – teils auf geänderten Strecken. Sör hat dafür eigene Flyer für Hafenbetriebe und Lkw-Fahrer sowie für Busfahrer veröffentlicht. Die Anwohner in Maiach erhielten am 14. September eine Information per Hauswurfsendung.
Eingeschränkt ist die Zufahrt zu den Sportanlagen von ESV Flügelrad und SV Maiach: Aus Richtung Finkenbrunn geht es nicht mehr direkt dorthin, sondern über einen Umweg bis zur Rotterdamer Straße. Zu Fuß und mit dem Rad lässt sich die Baustelle zwischen Eibach und Gartenstadt auf der Nordseite der Brücken passieren; die südliche Passage ist ab der Zufahrt zu den Sportvereinen gesperrt.
Die erste Woche
Die Stadt hatte vorab vor erheblichen Behinderungen, Rückstaus und längeren Fahrzeiten gewarnt, vor allem in den ersten Tagen nach der Umstellung. Die Nürnberger Nachrichten berichteten am 22. September von Verwirrung bei Verkehrsteilnehmern an der Baustelle. Eine offizielle Bilanz der ersten Woche – etwa zu Staulängen, Fahrzeitverlusten oder Unfällen – hat die Stadt bislang nicht veröffentlicht.
Sör empfiehlt weiterhin, sich vor Fahrtbeginn über die Verkehrslage zu informieren, zusätzliche Zeit einzuplanen, die Hauptverkehrszeiten zu meiden und den Bereich möglichst großräumig zu umfahren.
Die Vorgeschichte: eine gesperrte Brücke seit März
Dass die Lage am Kreuz ohnehin angespannt ist, hat mit einer Entscheidung vom Frühjahr zu tun. Am 18. März 2026 sperrte Sör die Frankenschnellwegbrücke über Südwesttangente und Main-Donau-Kanal vorsorglich für den Verkehr. Eine Bauwerksprüfung hatte ergeben, dass die Brücke die Verkehrsbelastung nicht mehr sicher aufnehmen kann. Sie bleibt bis zu ihrem Abriss gesperrt.
Ursprünglich war vorgesehen, die aus zwei Teilen bestehende Frankenschnellwegbrücke nacheinander zu erneuern und den Verkehr jeweils über die andere Hälfte zu führen. Dieser Plan ist mit der Vollsperrung hinfällig. Die Stadt kündigte im März an, die Bauabläufe neu zu durchdenken; möglicherweise könnten Abriss und Neubau der zweiten Brückenhälfte vorgezogen werden. Den ersten Überbau der neuen Frankenschnellwegbrücke nannte sie für August 2027. Ob die Beschleunigung inzwischen beschlossen ist, geht aus den öffentlich zugänglichen Angaben nicht hervor.
Die Probleme sind strukturell. Die Brücken stammen aus den 1970er-Jahren. Nach Angaben von Sör wurden in den Spannbetonbauwerken Spannstähle verbaut, von denen sich einzelne aus der Produktion der Jahre 1965 bis 1978 als mangelhaft und besonders rissgefährdet erwiesen haben.
Kosten und Zeitplan: Die Angaben gehen auseinander
Von den rund 347,5 Millionen Euro trägt die Stadt laut Sör 156,5 Millionen Euro; Bund und Freistaat haben eine Förderung von 191 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Förderfähig wurde das Projekt nach früheren Angaben von Oberbürgermeister Marcus König (CSU) unter anderem, weil die neuen Brücken höher werden: Große Schiffe mussten bislang teils ihre Aufbauten abnehmen, um den Kanal zu passieren. Von welchem Stichtag die Kostenschätzung stammt und ob die Vollsperrung im März Mehrkosten verursacht, ist öffentlich nicht beziffert.
Beim Zeitplan sind die städtischen Angaben nicht einheitlich. Das Stadtportal nennt eine Fertigstellung des Gesamtprojekts Ende 2029, für die Frankenschnellwegbrücke ist Dezember 2029 als Bauende angegeben. Der Bauablaufplan auf der Sör-Seite führt den Bau der Hafenstraßen-Brücken dagegen von September 2026 „bis 2030". Eine Unterseite des Projekts nennt noch Herbst 2027 als Ende der Gesamtmaßnahme – offenbar ein veralteter Stand.
Einordnend lässt sich festhalten: Die Hafenbrücken gehören zu jenen laufenden Bauprojekten, die in der Nürnberger Haushaltsdebatte nicht zur Disposition stehen. Eine Alternative zum Neubau gibt es angesichts des Zustands der Bauwerke nicht.
Wie es weitergeht
Anfang November soll die nächste Umstellung folgen. Dann wird der Verkehr in Richtung Gartenstadt und Innenstadt vollständig über die Behelfsbrücken geführt, sodass die bestehende Hafenstraßen-Brücke außer Betrieb genommen und abgerissen werden kann. Diese Verkehrsführung soll dann bis auf Weiteres gelten. Sör hat angekündigt, rechtzeitig vorher über die geänderten Fahrwege zu informieren.
Die Behelfsbrücken selbst stehen seit 2023. Sie hätten ursprünglich zusammen mit der Hauptbaumaßnahme vergeben werden sollen, unter Verwendung vorhandener Behelfsbrücken des Bundes. Nach der Ahrtal-Flut wurden diese nach Angaben der Stadt jedoch in Rheinland-Pfalz gebraucht, weshalb Nürnberg eigene fertigen ließ und die Arbeiten einzeln ausschrieb.
Faktenkasten: Hafenbrücken und neue Verkehrsführung
Seit 21. September 2026: keine Abfahrt mehr an Nürnberg-Hafen-Ost aus Richtung Fürth (Fahrtrichtung Feucht); Umleitung über Hafen-Süd, Marthweg, Wiener Straße, Hamburger Straße
Hafenstraße Richtung Finkenbrunn: über die neue Behelfsumfahrung
Europakai: weiter erreichbar, teils geänderte Routen
Sportanlagen Flügelrad / SV Maiach: aus Richtung Finkenbrunn nur über Umweg via Rotterdamer Straße
Nächste Umstellung: voraussichtlich Anfang November 2026
Frankenschnellwegbrücke: seit 18. März 2026 vollgesperrt, wird abgerissen
Kosten: rund 347,5 Mio. Euro, davon 156,5 Mio. Euro Stadt, 191 Mio. Euro Förderung in Aussicht (Sör)
Fertigstellung: Ende 2029 laut Stadtportal; Hafenstraßen-Brücken laut Sör-Bauablauf bis 2030
Infos: Flyer, Anwohnerinfo und Baustellenkarte auf nuernberg.de/internet/soer_nbg
Quelle Bild: Christian Höhn / Stadt Nürnberg
Grundlage: Pressemitteilungen der Stadt Nürnberg (Nr. 365 vom 26. März 2026 und zur Verkehrsumstellung ab 21. September 2026); Projektseiten des Servicebetriebs Öffentlicher Raum und des Stadtportals nuernberg.de zu den Hafenbrücken; Nürnberger Nachrichten vom 22. September 2026 (Teaser, Artikel hinter Paywall). Eigene Presseanfrage zur Bilanz der ersten Woche nicht erfolgt. Stand: 27. September 2026.





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