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U12: Karstadt Nürnberg nach der vierten Pleite – Bestlage ohne Konzept

vor 15 Stunden
3 Min. Lesezeit

Das letzte Nürnberger Warenhaus an der Lorenzkirche hat beste Voraussetzungen – und nutzt sie kaum. Was passiert, wenn auch dieses Haus fällt?


Das Wichtigste in Kürze

  • Die Warenhauskette Galeria hat am 2. Oktober 2026 beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz beantragt – zum vierten Mal nach 2020, 2022 und 2024.

  • Galeria betreibt bundesweit noch 83 Warenhäuser mit rund 12.000 Beschäftigten; 33 Häuser stehen seit Juli 2026 auf dem Prüfstand.

  • In Nürnberg ist mit Galeria an der Lorenzkirche (Königstraße 14), dem früheren Karstadt, nur noch ein Haus übrig.

  • Der benachbarte Ex-Kaufhof in der Königstraße steht seit Juni 2023 als Warenhaus leer; die Stadt Nürnberg hat ihn gekauft, genutzt wird bisher vor allem das Erdgeschoss.

  • Die Stadt Nürnberg arbeitet seit dem 29. Juli 2026 unter einer Haushaltssperre.


Karstadt Nürnberg – heute Galeria Nürnberg an der Lorenzkirche – ist nach der vierten Galeria-Insolvenz in sechs Jahren erneut in seiner Zukunft offen. Im U12-Podcast von The Nuremberg Times warnen Kevin Kienle und Paul Arzten: Scheitert auch dieses Haus, droht der Nürnberger Innenstadt nach dem Kaufhof ein zweiter großer Leerstand in Bestlage.


Was ist bei Galeria passiert?


Galeria, bis 2024 Galeria Karstadt Kaufhof, stellte am 2. Oktober 2026 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit. Erst im Juni hatte der Konzern einen Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers erhalten, besichert durch die eigenen Warenbestände. Die Bundesagentur für Arbeit hat inzwischen Insolvenzgeld für die Beschäftigten bewilligt; nach Angaben von Kevin Kienle im Podcast sind die Löhne damit bis Jahresende gesichert, die Ware für das Weihnachtsgeschäft könne Galeria aber nur noch auf Kredit beschaffen.


Wie tief der Abstieg reicht, zeigen die Marktanteile. Warenhäuser kamen in den 1960er-Jahren auf rund 15 Prozent des deutschen Einzelhandels. Nach Daten des Handelsinstituts EHI liegen alle Kauf- und Warenhäuser zusammen – einschließlich Ketten wie Müller und Woolworth – heute bei 1,2 Prozent. Galeria allein beziffert Kienle im Podcast auf noch rund 0,3 Prozent.


Warum funktioniert Karstadt an der Lorenzkirche nicht mehr?


Beide Gesprächspartner sehen das Problem weniger im Standort als im Konzept. „Für mich ist es kein Konzept und auch die Lage ist eigentlich top", sagt Kevin Kienle. Das Haus hat einen direkten Zugang zum U-Bahnhof Lorenzkirche; die Lorenzer Passage darunter erneuert die Stadt Nürnberg derzeit.


Paul Arzten schildert Rolltreppen, die nur noch in eine Richtung fahren, und einen Dauerzustand aus Rabatten: Man habe nie das Gefühl, „dass es irgendwie so ein Shopping-Erlebnis ist". Kienle beschreibt das erste Untergeschoss als nahezu menschenleer, das Sortiment als seit Jahren unverändert. Als Gegenbeispiele nennen beide Breuninger, Wöhrl und Peek & Cloppenburg, die Eingangsbereiche regelmäßig neu inszenieren oder umgebaut haben.


Arzten vermisst zudem lokales Marketing: eine Kampagne, die das Haus als Einkaufsstopp auf dem Heimweg direkt aus der U-Bahn bewirbt, statt bundesweit einheitlicher Rabattaktionen.


Was wird aus dem Gebäude, wenn Galeria schließt?


Der Blick auf den ehemaligen Kaufhof in der Königstraße zeigt, wie lange Nachnutzung dauert. Galeria schloss das Haus im Juni 2023; die Stadt Nürnberg kaufte die Immobilie 2024. Seit 2025 nutzt Wöhrl rund 3.000 Quadratmeter im Erdgeschoss als Outlet, ergänzt um Pop-up-Flächen wie Ikea und die Science Lounge der Technischen Universität Nürnberg. Die oberen Etagen stehen weiter leer.


Für das Karstadt-Gebäude wäre die Lage schwieriger: Galeria ist dort Mieter, die Immobilie gehört nicht der Stadt. Hinzu kommt die seit Juli 2026 geltende Haushaltssperre. Als Nachmieter diskutieren die Moderatoren Ketten wie Primark, äußern aber Zweifel, ob ein Haus mit mehreren Ein- und Ausgängen für Billigmode sicher zu betreiben wäre. TK Maxx hat bereits im August 2026 einen Teil des C&A-Gebäudes am Ludwigsplatz bezogen. Arzten bringt auch eine städtische Nutzung, etwa für die Verwaltung, ins Gespräch.


Kienles Prognose fällt deutlich aus: Wenn Galeria aufgibt, „haben wir erstmal einen riesen Leerstand in der Innenstadt für die nächsten fünf Jahre". Arzten setzt dagegen: „Wir müssen ja daran glauben, dass Karstadt das irgendwie schafft."



Häufige Fragen


Ja. Galeria hat am 2. Oktober 2026 beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz beantragt, das vierte Verfahren seit 2020. Der Betrieb der 83 Warenhäuser läuft zunächst weiter.

Das ist offen. Galeria Nürnberg an der Lorenzkirche, das frühere Karstadt-Haus in der Königstraße 14, ist das letzte Galeria-Warenhaus in Nürnberg und weiter geöffnet. Welche der 83 Filialen schließen müssen, hat Galeria bisher nicht bekannt gegeben.

Die Stadt Nürnberg hat das 2023 geschlossene Kaufhof-Gebäude in der Königstraße 2024 gekauft. Im Erdgeschoss betreibt Wöhrl ein Outlet mit Pop-up-Flächen; eine dauerhafte Nutzung für das gesamte Gebäude steht noch aus.


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