Kanada und EU: Gipfel in Montreal ringt um engere Partnerschaft
Das Wichtigste in Kürze
Kanada und die Europäische Union treffen sich am 29. und 30. Oktober 2026 in Montreal zu einem Gipfel, Gastgeber ist Premierminister Mark Carney.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat dort für eine „Assoziierung ohne Beitritt“ Kanadas geworben; eine Vollmitgliedschaft schloss sie aus geografischen Gründen aus.
Laut Entwurf der Gipfelerklärung wollen beide Seiten bei Energie, Rohstoffen, Handel, künstlicher Intelligenz und Sicherheit enger zusammenarbeiten.
Der Begriff „assoziierte Mitgliedschaft“ ist nach Widerstand mehrerer EU-Staaten, darunter Deutschland, aus dem Entwurf gestrichen worden.
Kanada und die EU wollen ihre Beziehungen auf eine neue Stufe heben. Beim Gipfel in Montreal, der am Freitag, 30. Oktober 2026, zu Ende geht, sollen Vereinbarungen zu Energie, Rohstoffen, Handel, künstlicher Intelligenz und Sicherheit beschlossen werden. Gastgeber ist der kanadische Premierminister Mark Carney, für die EU nehmen Ratspräsident António Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teil. Umstritten ist, wie die neue Partnerschaft heißen soll.
Was Kanada und die EU in Montreal vereinbaren wollen
Nach dem Entwurf der Gipfelerklärung, über den die Nachrichtenagentur dpa berichtet, umfasst das Paket mehrere Bereiche:
Energie und Rohstoffe: eine Machbarkeitsstudie zu Flüssigerdgas-Lieferungen (LNG) nach Europa, eine Modernisierung des Abkommens über nukleare Zusammenarbeit zwischen Kanada und Euratom sowie ein Abkommen mit der Europäischen Investitionsbank, das europäische Investitionen in kanadische Rohstoffprojekte wie Seltene Erden erleichtern soll.
Handel und Digitales: ein neues Abkommen über digitalen Handel und weniger Handelshemmnisse.
Künstliche Intelligenz: engere Zusammenarbeit bei Regulierung und Sicherheit und die Anbindung Kanadas an die europäische Hochleistungsrecheninfrastruktur.
Bildung und Fachkräfte: mehr kanadische Beteiligung an Erasmus+ und eine leichtere Anerkennung von Berufsabschlüssen.
Sicherheit: mehr Zusammenarbeit bei Verteidigung, Cyberabwehr und dem Schutz kritischer Infrastruktur sowie die Bekräftigung der Unterstützung für die Ukraine.
Bis zum nächsten Gipfel 2027 soll zudem ein Konzept für eine engere Anbindung Kanadas an die EU unterhalb einer Mitgliedschaft entstehen.
Warum von der Leyen von Assoziierung spricht
Ursula von der Leyen hat am 29. Oktober 2026 in Montreal eine Grundsatzrede zu den Beziehungen gehalten. „Kanada kann aus geografischen Gründen kein Vollmitglied der EU werden“, sagte die Kommissionspräsidentin laut Vertretung der EU-Kommission in Deutschland. Sie warb stattdessen für eine „Assoziierung ohne Beitritt“ und kündigte eine „Allianz für die Zukunft“ an. Als Felder für eine engere Anbindung nannte sie die Abstimmung in der Politik, gemeinsame Regeln und Programme wie Erasmus+ und Horizont Europa.
Welche Rolle Deutschland im Streit um den Begriff spielt
Von der Leyen hatte die neue Beziehung als „assoziierte Mitgliedschaft“ bezeichnet. Mehrere EU-Staaten widersprachen. Nach dpa-Angaben lehnt auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Begriff ab; die Bundesregierung argumentiert, die Mitgliedstaaten hätten vorher einbezogen werden müssen. Der Begriff wurde aus dem Entwurf der Gipfelerklärung gestrichen.
Merz, der wegen seiner Asienreise nicht in Montreal ist, erklärte laut dpa, die EU und Kanada schlügen „ein neues Kapitel in unseren Beziehungen“ auf und bildeten eine „Allianz für die Zukunft“. US-Präsident Donald Trump hatte die Idee nach dpa-Angaben zunächst als lächerlich bezeichnet und Europa mit Zöllen gedroht, falls der Schritt als feindselig gegenüber US-Interessen gewertet werde.
Wie eng Kanada und die EU schon verbunden sind
Die Beziehungen zwischen Kanada und der EU reichen bis 1959 zurück. Nach Angaben der kanadischen Regierung ist die EU Kanadas zweitgrößter Handelspartner, mit einem Handelsvolumen bei Waren und Dienstleistungen von rund 178 Milliarden kanadischen Dollar im Jahr 2025. Im Februar 2026 trat Kanada als erstes nichteuropäisches Land der EU-Verteidigungsinitiative SAFE bei. Das Handelsabkommen CETA wird seit 2017 vorläufig angewendet, ist aber noch nicht vollständig in Kraft, weil es nicht alle EU-Staaten ratifiziert haben.
Was offen ist
Die Vereinbarungen lagen bis Freitagmorgen nur als Entwurf vor; für Freitag ist eine gemeinsame Pressekonferenz geplant. Wie die engere Anbindung Kanadas rechtlich aussehen soll und wie sie heißen wird, ist offen. Weitere Berichte aus aller Welt finden Sie in der Rubrik Welt.
Grundlage: Mitteilung des kanadischen Premierministers vom 25. Oktober 2026; Mitteilung der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland zur Grundsatzrede von Ursula von der Leyen vom 29. Oktober 2026; Bericht der Nachrichtenagentur dpa, veröffentlicht im Handelsblatt am 30. Oktober 2026. Eigene Einordnung.
Titelbild: Innenstadt von Montreal, dem Gipfelort, am Abend – Michael Descharles / Unsplash, Unsplash-Lizenz





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