Ilse Aigner: Union will die CSU-Politikerin als Bundespräsidentin
Das Wichtigste in Kürze
Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) soll gemeinsame Kandidatin von CDU und CSU für das Amt der Bundespräsidentin werden; das berichten das ZDF und die Deutsche Presse-Agentur übereinstimmend.
Offiziell soll die Kandidatur am Montag, 9. November 2026, bekannt gegeben werden.
Die SPD hat Unterstützung signalisiert; Union und SPD haben in der Bundesversammlung laut dpa eine Mehrheit von rund 50 Stimmen.
Gewählt wird am 30. Januar; Aigner wäre die erste Frau an der Spitze des Staates.
Ilse Aigner soll Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier werden. Nach Berichten des ZDF und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat sich nach der CSU auch die CDU auf die 61-jährige bayerische Landtagspräsidentin festgelegt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will Aigner nach dpa-Informationen den CDU-Gremien vorschlagen, die am Sonntag und Montag in Berlin tagen. Die formale Nominierung wird für Montag, 9. November 2026, erwartet.
Wann wird der Bundespräsident gewählt?
Die Bundesversammlung wählt das Staatsoberhaupt am 30. Januar. Sie hat 1.260 Mitglieder: die 630 Abgeordneten des Bundestags und ebenso viele Delegierte, die von den Landesparlamenten bestimmt werden. Union und SPD kommen dort nach Angaben der dpa gemeinsam auf eine Mehrheit von rund 50 Stimmen.
SPD-Chef Lars Klingbeil hat erklärt, seine Partei werde Aigner unterstützen, wenn sich die CDU auf sie verständigt; laut ZDF nannte er sie volksnah. Ein Mitglied des CDU-Präsidiums sagte dem Sender, es sei undenkbar, dass jemand anderes als Aigner Kandidatin werde. Auch aus Aigners Umfeld wurden die Berichte nach ZDF-Angaben bestätigt.
Wer ist Ilse Aigner?
Ilse Aigner wurde am 7. Dezember 1964 im Landkreis Rosenheim geboren. Nach der Realschule ließ sie sich zur Radio- und Fernsehtechnikerin ausbilden. 1994 zog sie in den Bayerischen Landtag ein, 1998 in den Bundestag. Von 2008 bis 2013 war sie Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, seit 2018 ist sie Präsidentin des Bayerischen Landtags.
Mit Aigner würde erstmals eine Frau Staatsoberhaupt der Bundesrepublik und laut dpa erstmals eine CSU-Politikerin. Ins Gespräch gebracht hatte sie CSU-Chef Markus Söder nach dpa-Angaben bereits im April. Beim CSU-Parteitag Ende Oktober hatte Söder öffentlich für Aigner geworben, Merz hatte sich damals noch nicht festgelegt. Mehr dazu: CSU-Parteitag: Söder wirbt für Aigner, Merz schweigt zur Kandidatur.
Kritik am Verfahren der Union
Der lange Findungsprozess hat Merz Kritik eingebracht, auch aus den eigenen Reihen. Der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter warf dem Kanzler laut ZDF in der Sendung „Markus Lanz“ mangelndes Gespür vor. Merz selbst sagte in Hagen nach dpa-Angaben: „Ich halte mich, vielleicht als einer der wenigen, an die verabredeten Verfahren.“
Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann nannte die Suche der Union laut dpa „dieses Amtes unwürdig“, sagte aber zugleich: „Ilse Aigner schätzen wir.“ AfD-Chef Tino Chrupalla lehnte Aigner ab; eine Kandidatin mit Unionsparteibuch könne die Deutschen kaum einen, argumentierte er nach dpa-Angaben. Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hatte eine „überparteiliche Kandidatur“ gefordert.
Zustimmung kam aus der Union. Der frühere CSU-Vorsitzende Horst Seehofer sagte laut dpa: „Ilse Aigner ist die richtige Bundespräsidentin zur richtigen Zeit.“
Was die Personalie für die CSU bedeutet
Nach dpa-Einschätzung hätte eine Wahl Aigners auch Folgen für die Debatte um einen möglichen Kanzlerkandidaten der CSU. In Berlin gilt es demnach als schwer vorstellbar, dass die CSU sowohl das Staatsoberhaupt als auch den Kanzler stellt; genannt werden in diesem Zusammenhang Markus Söder und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt.
Was offen ist
Offiziell bestätigt ist die Kandidatur noch nicht; CDU und CSU wollen sie erst nach den Gremiensitzungen verkünden. Ob andere Parteien eigene Kandidatinnen oder Kandidaten aufstellen, ist bislang nicht bekannt. Offen ist auch, wer im Fall ihrer Wahl Aigners Nachfolge an der Spitze des Bayerischen Landtags antreten würde.
Grundlage: Bericht des ZDF vom 6. November 2026, Bericht der Deutschen Presse-Agentur vom 7. November 2026, veröffentlicht von der Rhein-Zeitung. Eigene Einordnung.
Titelbild: Ilse Aigner beim Filmfest München (Aufnahme von 2014) – Harald Bischoff / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0





Kommentare