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Hochschule für Musik: Nürnberger Präsident Kotzian tritt zurück

vor 13 Stunden
3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Rainer Kotzian, Präsident der Hochschule für Musik Nürnberg, ist zurückgetreten; der Rücktritt ist laut Hochschule seit Freitag, 16. Oktober 2026, wirksam.

  • Kotzian begründet den Schritt mit hochschulinternen Auseinandersetzungen der vergangenen Monate; eine Studierendeninitiative wirft ihm Machtmissbrauch vor.

  • In einem Schreiben an alle Hochschulmitglieder räumt er einen Fehler im Umgang mit einer Studentin im November 2025 ein, bestreitet aber die Darstellung der Initiative.

  • Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) hat nach eigenen Angaben die Landesanwaltschaft eingeschaltet.

  • Wer die Hochschule bis zu einer Nachfolgeregelung leitet, ist bislang nicht bekannt.


Die Hochschule für Musik Nürnberg (HfM) verliert ihren Präsidenten. Prof. Rainer Kotzian, seit Oktober 2021 an der Spitze der Hochschule, ist nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs und monatelangen internen Auseinandersetzungen zurückgetreten. Seine Entscheidung teilte er in einem Schreiben an alle Hochschulmitglieder mit, über das zuerst die Süddeutsche Zeitung berichtet hatte. Laut Hochschule gilt der Rücktritt seit Freitag, 16. Oktober 2026.


Der Schritt fällt in das zweite Jahr seiner zweiten Amtszeit – und in eine Phase, in der Machtmissbrauch an deutschen Musikhochschulen erstmals bundesweit wissenschaftlich untersucht wird.


Was Rainer Kotzian vorgeworfen wird

Die Initiative „Studis gegen Machtmissbrauch Nürnberg“ wirft Kotzian nach einem Bericht von BackstageClassical vor, seine Machtposition gegenüber einer Studentin ausgenutzt und die anschließende Aufarbeitung behindert zu haben. Weitere Einzelheiten zu den Vorwürfen sind öffentlich bislang nicht bekannt.


Kotzian selbst schildert in seinem Schreiben ein kurzes persönliches Gespräch mit einer Studentin im vergangenen November. Er habe dabei nicht ausreichend berücksichtigt, dass auch in einem gewachsenen Vertrauensverhältnis das Machtgefälle zwischen Professor und Studentin bestehen bleibe und er deshalb eine besondere Verantwortung trage. Das bedaure er sehr. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte Kotzian zugleich, er bestreite die Vorwürfe so, wie die Studierendeninitiative den Sachverhalt darstelle.


Die Hochschule teilte mit, Kotzian habe seinen Rücktritt mit den internen Auseinandersetzungen der vergangenen Monate begründet und mit dem Wunsch, weitere Belastungen von der Hochschule abzuwenden.


Wie das Kunstministerium reagiert

Bayerns Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume (CSU) erklärte, er respektiere Kotzians Entscheidung und danke ihm für seine Arbeit. Die im Raum stehenden Vorwürfe müssten aber sorgfältig aufgeklärt und aufgearbeitet werden. Das Ministerium habe unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorgänge die notwendigen Schritte eingeleitet und die Landesanwaltschaft eingeschaltet.


Die Landesanwaltschaft Bayern ist unter anderem für Disziplinarverfahren im öffentlichen Dienst zuständig. Ob ein solches Verfahren eingeleitet wurde und welchen Stand die Prüfung hat, geht aus den bisherigen Angaben nicht hervor.


Die Studierendeninitiative wertet den Rücktritt laut BackstageClassical als ersten Etappensieg.


Ein Konflikt, der seit Monaten schwelt

Die Auseinandersetzung beschäftigt die Hochschule schon länger. Bereits im Frühjahr 2026 waren laut BackstageClassical zwei Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule im Zusammenhang mit der Affäre zurückgetreten.


Im Januar 2026 hat die Hochschule für Musik Nürnberg eine Richtlinie gegen Machtmissbrauch, Diskriminierung, Belästigung und sexualisierte Gewalt in Kraft gesetzt; der Senat hatte sie am 8. Dezember 2025 beschlossen, die Hochschulleitung am 13. Januar 2026. Ob die Richtlinie in Zusammenhang mit dem aktuellen Fall steht, ist nicht bekannt.


Wer ist Rainer Kotzian?

Rainer Kotzian, 1977 im österreichischen Wels geboren, studierte Musik- und Tanzpädagogik an der Universität Mozarteum in Salzburg. 2010 wurde er als Professor für Elementare Musikpädagogik an die Hochschule für Musik Nürnberg berufen und übernahm dort später auch Leitungsaufgaben, unter anderem als Vizepräsident. Fachlich gilt er als Experte für Elementare Musikpädagogik und das Orff-Schulwerk.


Seit dem 1. Oktober 2021 war Kotzian Präsident der Hochschule. Im Mai 2025 wählte ihn der Hochschulrat einstimmig für eine zweite, vierjährige Amtszeit, die am 1. Oktober 2025 begann und regulär bis 2029 gelaufen wäre.


Bundesweite Debatte über Machtmissbrauch an Musikhochschulen

Der Fall fällt in eine Zeit, in der sich die deutschen Musikhochschulen intensiver mit Machtstrukturen auseinandersetzen. Die Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM) hat im Mai 2024 ein Positionspapier und Handlungsempfehlungen gegen Machtmissbrauch beschlossen. Seit dem Wintersemester 2025/26 läuft zudem eine vom Bundesforschungsministerium geförderte Studie des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München; im Mai 2026 wurden dafür Studierende und Lehrende an 22 Musikhochschulen online befragt.


Untersucht werden dabei auch strukturelle Risiken künstlerischer Ausbildung, etwa im Einzel- und Kleingruppenunterricht, in dem Lehrende und Studierende besonders eng zusammenarbeiten. Wann Ergebnisse veröffentlicht werden, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.


Was jetzt offen ist

Wer die Hochschule für Musik Nürnberg kommissarisch leitet und wann eine Nachfolge gewählt wird, ist bislang nicht bekannt. Offen sind auch das Ergebnis der Prüfung durch die Landesanwaltschaft und die Frage, welche Konsequenzen die Hochschule aus dem Fall für ihre internen Strukturen zieht.


Grundlage: Meldung der Deutschen Presse-Agentur vom 16. Oktober 2026 (u. a. nordbayern.de), Bericht von BackstageClassical vom 16. Oktober 2026, Pressemitteilungen der Hochschule für Musik Nürnberg und des Bayerischen Wissenschaftsministeriums, Richtlinie der HfM vom 13. Januar 2026, Mitteilungen der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen. Die Vorwürfe sind nicht abschließend geklärt.


Titelbild: Gebäude der Hochschule für Musik Nürnberg (Archivbild, 2018) – Maestro Ivanković / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0

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