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Frauenbeauftragte Nürnberg: Stadt feiert 40 Jahre Gleichstellung

vor 15 Stunden
3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stadt Nürnberg hat am 29. Oktober 2026 im Historischen Rathaussaal 40 Jahre Frauenbeauftragte und zehn Jahre Ansprechpartner für Männer gefeiert.

  • 1988 standen bei den Dienststellenleitungen der Stadtverwaltung vier Frauen 85 Männern gegenüber; Ende 2025 lag der Frauenanteil dort bei 28 Prozent.

  • Die Stadtspitze ist nach Angaben der Stadt inzwischen paritätisch besetzt und umfasst vier Referentinnen.

  • Frauenbeauftragte Hedwig Schouten fordert, Gleichstellungsarbeit auch bei knappen Haushalten nicht als verzichtbar zu behandeln.


Die Stadt Nürnberg hat ihre Frauenbeauftragte vor 40 Jahren eingeführt und vor zehn Jahren zusätzlich einen Ansprechpartner für Männer. Beide Jubiläen würdigte die Stadt am Donnerstag, 29. Oktober 2026, mit einem Festakt im Historischen Rathaussaal. Nach Angaben der Stadt kamen über 300 Gäste aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.


Die Bilanz fällt gemischt aus. In der Verwaltung sind deutlich mehr Frauen in Führungspositionen als vor vier Jahrzehnten, zugleich sieht die Stadt weiter Handlungsbedarf, etwa bei Teilzeit in Führungsämtern.


Was der Oberbürgermeister sagt

„Gleichstellung ist keine Frage des Zeitgeistes, sondern eine Frage der Gerechtigkeit“, sagte Oberbürgermeister Marcus König (CSU) in seiner Begrüßung. „Vierzig Jahre Frauenbeauftragte zeigen, wie wichtig eine starke Interessenvertretung ist: Gleichstellung entsteht nicht von allein.“ Mit Blick auf die zweite Stelle ergänzte er: „Gleichstellung ist keine Aufgabe allein der Frauen.“


Wie sich der Frauenanteil in der Stadtverwaltung verändert hat

Die Frauenbeauftragte nahm 1986 ihre Arbeit auf. Sie sollte Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung unterstützen, Stadtratsvorlagen unter Gleichstellungsgesichtspunkten prüfen, Frauenberichte und Förderpläne erstellen und mit Frauenverbänden zusammenarbeiten. Ein zentrales Thema war von Beginn an der Zugang von Frauen zu Führungspositionen.


Die Zahlen der Stadt zeigen die Entwicklung:

  • 1988, im ersten Frauenbericht: vier Frauen und 85 Männer auf der Ebene der Dienststellenleitungen, ein Frauenanteil von 4,5 Prozent.

  • 1989: Ein Frauenförderplan wird verabschiedet, seit 2012 gibt es fortgeschriebene Gleichstellungsaktionspläne, etwa mit Mentoring und Führen in Teilzeit.

  • Ende 2025: 28 Prozent Frauenanteil bei den Dienststellenleitungen; die Stadtspitze ist paritätisch besetzt.

Handlungsbedarf sieht die Stadt weiterhin: Je höher die Führungsebene, desto seltener wird in Teilzeit gearbeitet.


Was die Frauenbeauftragte fordert

Hedwig Schouten leitet das Frauenbüro seit 2016. „Viele Rechte für Gleichstellungsbeauftragte, die heute selbstverständlich erscheinen, mussten sich meine Vorgängerinnen erst erkämpfen“, sagte sie. Ihre Vorgängerinnen seien anfangs belächelt worden, ihnen sei sogar die Teilnahme an Vorstellungsgesprächen verweigert worden. Heute regelt die Nürnberger Frauenbeauftragtensatzung, neben dem Bayerischen Gleichstellungsgesetz von 1996, unter anderem genau diese Teilnahme.

Angesichts knapper öffentlicher Haushalte forderte Schouten laut Stadt, Gleichstellungsarbeit nicht als verzichtbares Zusatzthema zu behandeln. Sie sei ein gesetzlicher Auftrag und Teil einer zukunftsfähigen Stadtverwaltung.


Was der Ansprechpartner für Männer macht

2015 wurde das Frauenbüro mit dem Menschenrechtsbüro zusammengelegt. Ein Jahr später nahm Matthias Becker seine Arbeit als Ansprechpartner für Männer auf. Er berät bei Fragen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zu Geschlechterrollen und in persönlichen Krisen. Dazu gehört, männlichen Betroffenen häuslicher Gewalt Orientierung zu geben und den Weg zu Hilfsangeboten zu erleichtern.


„Männer für Gleichstellung zu gewinnen, heißt auch, ihnen Raum zu geben, eigene Rollenbilder zu hinterfragen“, sagte Becker beim Festakt.


Häufige Fragen

Wer ist Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg? Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg ist Hedwig Schouten. Sie leitet das Frauenbüro seit 2016, das seit 2015 mit dem Menschenrechtsbüro zusammengelegt ist.


Gibt es in Nürnberg einen Ansprechpartner für Männer? Ja. Seit 2016 ist Matthias Becker Ansprechpartner für Männer bei der Stadt Nürnberg, unter anderem bei Fragen zu Beruf und Familie, Geschlechterrollen und häuslicher Gewalt.


Was offen ist

Konkrete neue Ziele oder Maßnahmen für die kommenden Jahre nennt die Mitteilung der Stadt nicht. Eine Dokumentation der Medienwerkstatt Franken zum Jubiläum ist laut Stadt online abrufbar. Weitere Berichte aus dem Rathaus finden Sie in der Rubrik Nürnberg.


Grundlage: Pressemitteilung Nr. 1221 der Stadt Nürnberg vom 30. Oktober 2026 („40 Jahre Frauenbeauftragte und zehn Jahre Ansprechpartner für Männer: Nürnberg setzt auf Gleichstellung“). Eigene Einordnung.

Titelbild: Matthias Becker, Ansprechpartner für Männer (links), Frauenbeauftragte Hedwig Schouten und Oberbürgermeister Marcus König beim Festakt am 29. Oktober 2026 im Historischen Rathaussaal – Stadt Nürnberg / Christine Dierenbach

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