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200 Jahre Nürnberger Volksfest: Jubiläum am Dutzendteich

25. Aug.
4 Min. Lesezeit

Das Nürnberger Herbstvolksfest beginnt am Freitag, 28. August, und läuft bis zum 13. September. Die Stadt begeht damit das 200-jährige Bestehen ihres Volksfests: Der Ursprung geht nach Angaben der Stadt Nürnberg auf das Jahr 1826 zurück, als in Nürnberg zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. gefeiert wurde.


Eröffnet wird das Fest von Oberbürgermeister Marcus König, der am 28. August um 17 Uhr das erste Fass ansticht. Das Gelände am Dutzendteich öffnet bereits um 14 Uhr, dem Anstich geht ein Festzug mit Vereinen, Musikgruppen und Schaustellern voraus. Der Eintritt auf den Festplatz ist frei; nach Angaben der Veranstalter stehen mehr als 150 Fahrgeschäfte und Verkaufsstände bereit.


Über den regulären Betrieb hinaus setzt das Jubiläumsjahr zwei Schwerpunkte: eine historische Ausstellung ab dem 3. September und ein Artistenprogramm im selben Zeitraum. Beides deckt nur einen Teil der Laufzeit ab.


Ein Fest, das deutlich älter ist als sein Festplatz

Die runde Zahl verdeckt einen Ortswechsel. Zwar reicht die Tradition bis 1826 zurück, der heutige Volksfestplatz am Dutzendteich dient jedoch erst seit 1953 als Standort für die jährlichen Volksfeste. Das geht aus dem Geländeinformationssystem des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände hervor.


Der Platz liegt auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, unmittelbar neben der Kongresshalle. Albert Speers Planung sah an dieser Stelle Kultur- und Ausstellungsbauten vor; weil dort der alte Tiergarten lag, wurde dieser 1939 an den Schmausenbuck verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete die Stadt in diesem Bereich den Volkspark Dutzendteich ein.


Das Jubiläum feiert also eine Festtradition, die im Lauf von zwei Jahrhunderten den Ort gewechselt hat – auf einem Gelände, dessen eigene Geschichte in Nürnberg bis heute Gegenstand von Debatten und Bauprojekten ist. Wie viele Ausgaben des Festes in diesen 200 Jahren tatsächlich stattgefunden haben und in welchen Jahren es ausfiel, geht aus den öffentlich zugänglichen Angaben nicht hervor.


Ausstellungszelte, Artistenmast, zwei Feuerwerke

Kern des Jubiläumsprogramms sind zwei Ausstellungszelte, die ab dem 3. September die Geschichte des Festes zeigen. Ausgestellt werden unter anderem historische Autoscooter-Wagen, Schaustellerfiguren, alte Orgeln, Traktoren und Miniatur-Jahrmärkte. Der Zugang ist kostenlos.


Die zweite Neuerung ist ein 62 Meter hoher Artistenmast der Geschwister Weisheit. Die Artistenfamilie tritt nach Angaben der Veranstalter seit mehr als 125 Jahren auf; namentlich genannt werden Natalia und Max Rudolf Weisheit. Vom 3. bis 12. September sind ein bis zwei Vorstellungen täglich vorgesehen. Bei der Motorradshow „Über allen Köpfen“ fahren drei Motorräder gleichzeitig auf drei nebeneinander gespannten Stahlseilen über dem Publikum. Zum Programm gehört den Angaben zufolge außerdem ein Trompetensolo auf der Mastspitze.


Dazu kommen mehrere thematische Tage. Am 30. August findet ein Kindertag statt, am 1. und 8. September Seniorennachmittage für Gäste ab 65 Jahren. An den Familientagen am 2. und 9. September gelten zwischen 14 und 21 Uhr halbierte Fahrpreise; dasselbe gilt nach Veranstalterangaben bei der Ladies' Night am 10. September.


Am 4. September steht die „Nacht der 1.000 Lichter“ mit Musikfeuerwerk auf dem Programm, ergänzt um einen Blaulichttag mit Rettungs- und Einsatzkräften. Der 11. September ist als Steampunk-Abend angelegt, am 12. September folgt ein Oldtimertreffen. Das Abschlussfeuerwerk beendet das Fest am 13. September um 22 Uhr. Sonntags um 13 Uhr werden Volksfestführungen angeboten.


Nebenan entsteht Nürnbergs teuerstes Kulturprojekt

Das Jubiläum fällt in eine Phase, in der sich die Umgebung des Festplatzes baulich stark verändert. Die benachbarte Kongresshalle wird zum Kulturareal umgebaut. Vier der sechzehn Bausegmente sollen künstlerische Nutzungen aufnehmen – geplant sind 49 Atelierräume, Werkstätten, ein Tonstudio, 25 Bandproberäume und ein großer Tanzproberaum auf knapp 7.300 Quadratmetern. Sechs weitere Segmente nehmen das Staatstheater Nürnberg auf, während das Opernhaus saniert wird; der Zuschauerraum der Interimsspielstätte bietet Platz für 800 Personen.


Die Gesamtkosten beziffert die Stadt auf 296 Millionen Euro, nach 211 Millionen Euro in der Schätzung von 2021. Als Gründe für die Steigerung nennt sie gestiegene Baupreise und eine längere geplante Nutzungsdauer des Ergänzungsbaus – 25 statt zehn Jahre. Auf den Theaterbau entfallen 85,5 Millionen Euro. Rund 210 Millionen Euro sollen voraussichtlich durch Fördermittel von Bund, Freistaat Bayern und Europäischer Union gedeckt werden. Die erste Vorstellung im Theaterbau ist für das vierte Quartal 2028 geplant.


Zum Stand Dezember 2025 waren nach Angaben der Stadt rund 10.500 Kubikmeter Beton, 1.762 Tonnen Bewehrungsstahl und 245 Tonnen Stahlträger verbaut. Der 34 Meter hohe Bühnenturm steht noch aus.


Für Volksfestbesucher hat die Baustelle eine unmittelbare Folge: Die Parkplätze an der Kongresshalle stehen wegen der Bauarbeiten derzeit nicht zur Verfügung. Die Veranstalter empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln; die S-Bahn-Haltestelle Dutzendteich liegt in Fußnähe. An ausgewählten Tagen fährt zudem die historische Straßenbahnlinie V kostenlos vom Hauptbahnhof – welche Tage das sind, ist bislang nicht ausgewiesen. Fahrradstellplätze an den beiden Haupteingängen sind gebührenfrei.


Was das Fest kostet – und was offen bleibt

Zu den Bierpreisen des Herbstvolksfests 2026 liegen bislang keine veröffentlichten Angaben vor. Ein Anhaltspunkt sind die Preise des Frühlingsfests, das vom 4. bis 26. April stattfand: 11,90 Euro für die Maß im Festzelt Papert und 6,00 Euro für das Seidla im Stad'l. Das Seidla lag damit 50 Cent über dem Vorjahreswert, der Literpreis entsprach dem Niveau des Herbstvolksfests 2025 von 11,90 bis 12,00 Euro. Ob dieses Niveau im Herbst gehalten wird, ist offen.


Auch bei den Besucherzahlen ist die Datenlage unscharf. Stadt und Veranstalter sprechen von rund zwei Millionen Gästen pro Jahr, beziehen sich dabei aber auf beide Nürnberger Volksfeste zusammen. Eine separate Zahl für das Herbstvolksfest wird nicht ausgewiesen. Ob das Jubiläumsjahr höhere Besucherzahlen bringt, lässt sich vor Festbeginn nicht beurteilen.


Faktenkasten: Herbstvolksfest Nürnberg 2026

  • Termin: 28. August bis 13. September 2026

  • Ort: Volksfestplatz am Dutzendteich

  • Eintritt: frei

  • Öffnungszeiten: Mo–Do 14–23 Uhr, Fr/Sa 14–24 Uhr, So und Feiertage ab 13 Uhr, Schlusstag bis 23.30 Uhr

  • Eröffnung: Bieranstich durch Oberbürgermeister Marcus König am 28. August, 17 Uhr

  • Angebot: mehr als 150 Fahrgeschäfte und Verkaufsstände

  • Jubiläumsausstellung: ab 3. September, zwei Zelte, Zugang kostenlos

  • Geschwister Weisheit: 3. bis 12. September, 62-Meter-Artistenmast

  • Feuerwerke: 4. September („Nacht der 1.000 Lichter“) und 13. September, 22 Uhr

  • Halbe Fahrpreise: 2. und 9. September (14–21 Uhr), 10. September (Ladies' Night)

  • Anreise: S-Bahn Dutzendteich; Parkplätze an der Kongresshalle wegen Bauarbeiten gesperrt

  • Hinweis: Tiere sind auf dem Gelände nicht zugelassen


Quelle Bild: Stadt Nürnberg / Uwe Niklas

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