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Smart City Index: Was Nürnbergs Platz 4 im Weltvergleich bedeutet

vor 18 Stunden
7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Nürnberg liegt im Smart City Index 2026 des Digitalverbands Bitkom mit 91,3 von 100 Punkten auf Platz 4 unter 83 deutschen Großstädten, vier Plätze besser als im Vorjahr.

  • Die Platzierung stützt sich vor allem auf die Verwaltung, in der Nürnberg gemeinsam mit Krefeld die volle Punktzahl erreicht.

  • Der Index bewertet vorhandene digitale Angebote und Infrastruktur; rund 75 Prozent der Daten stammen aus quellenbelegten Selbstauskünften der Städte, Angaben zur Nutzung enthält das Ranking nicht.

  • Das Niveau steigt bundesweit: Für die Top 10 waren 2026 mindestens 85,5 Punkte nötig, 2023 reichten 76,6.

  • Im weltweiten Ranking des IMD, das Einwohner von 148 Städten befragt, ist Nürnberg nicht vertreten; beste deutsche Stadt ist Hamburg auf Platz 15, an der Spitze stehen Zürich, Oslo und Genf.

  • Ob Nürnberg den digitalen Ausbau im bisherigen Tempo fortsetzen kann, hängt von der Haushaltskonsolidierung ab, die im November beschlossen werden soll.


Nürnbergs Platz 4 im Smart City Index 2026 ist vor allem eine Auszeichnung für die Stadtverwaltung. Dort erreicht die Stadt die volle Punktzahl, in den übrigen Kategorien liegt sie zwischen Rang 4 und Rang 14. Wie häufig Bürgerinnen und Bürger die digitalen Angebote tatsächlich nutzen, bildet das Ranking dagegen nicht ab.

Der Digitalverband Bitkom hat den Index am 8. September veröffentlicht. Nürnberg kam auf 91,3 von 100 Punkten und liegt damit hinter Stuttgart (92,8), München (92,0) und Hamburg (91,5). Laut Stadt Nürnberg steht sie zum fünften Mal in Folge in den Top 10.


Vier Wochen später lohnt ein zweiter Blick, aus zwei Gründen. Ein internationaler Vergleich zeigt, dass „smart“ je nach Ranking etwas anderes bedeutet. Und mit dem Haushaltsentwurf 2027 steht in Nürnberg inzwischen jede Ausgabe auf dem Prüfstand. Welche Folgen das für die Digitalisierung hat, ist offen.


Was Platz 4 im Smart City Index bedeutet

An der Spitze liegen die Städte eng beieinander. Zwischen Nürnberg und dem Erstplatzierten Stuttgart liegen 1,5 Punkte, zwischen Platz 1 und Platz 3 nach Bitkom-Angaben 1,3 Punkte. Kleine Veränderungen in einzelnen Indikatoren können die Reihenfolge deshalb bereits verschieben.


Zugleich steigt das Niveau insgesamt. Für einen Platz unter den besten zehn waren 2026 mindestens 85,5 Punkte nötig, im Vorjahr 84,7 und 2023 noch 76,6. Der Durchschnitt aller Großstädte stieg von 70,8 auf 73,8 Punkte. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst beschreibt die Folge so: „Wer ein Jahr nur ein bisschen auf die Bremse tritt, verliert.“ Städte, die zurückfielen, seien in der Regel nicht weniger digital als vorher, die anderen seien an ihnen vorbeigezogen.


Einordnend heißt das: Eine gute Platzierung beschreibt nach dieser Logik einen relativen Vorsprung, keinen erreichten Endzustand.


Nürnberg in allen fünf Kategorien

Kategorie

Punkte

Rang

Veränderung

Gesamt

91,3

4

+4

Verwaltung

100

1 (mit Krefeld)

Spitze gehalten

IT und Kommunikation

85,8

14

+23

Energie und Umwelt

83,5

4

+14

Mobilität

93,0

10

+10

Gesellschaft und Bildung

94,4

11

nicht ausgewiesen

Den Sprung bei IT und Kommunikation führt die Stadt auf bessere Werte bei Glasfaser, LPWAN und Geoportal zurück. LPWAN steht für energiesparende Funknetze, über die sich viele Sensoren vernetzen lassen. Bei Energie und Umwelt nennt die Stadt intelligente Straßenbeleuchtung, digitale Wärmeplanung und digitale Energielösungen, bei der Mobilität Lösungen für die Logistik auf der letzten Meile, Multimodalität und Sharing-Angebote.


Die Verwaltung als Nürnbergs Stärke

Für die volle Punktzahl in der Verwaltung nennt Bitkom unter anderem einen KI-Chatbot, das digitale Angebot aller abgefragten Verwaltungsleistungen sowie intern die elektronische Akte und einen KI-Assistenten. Die Stadt hatte im Januar bilanziert, dass sie mehr als 1.700 digitale Verwaltungsangebote bereithält und seit 2020 mehr als 3,4 Millionen Anträge online eingegangen sind. Zu den KI-Anwendungen zählt sie den Chatbot „Nurbis“ für Fragen zu Sozialleistungen und das Assistenzsystem „Wohni“, das Wohngeldanträge automatisiert prüft.


Olaf Kuch (CSU), Referent für Personal, Organisation, Sicherheit und Bürgerservice, sieht darin eine Bestätigung: „Der erneut erreichte 1. Platz in der Kategorie ‚Verwaltung‘ bestätigt unseren Weg, die Stadtverwaltung leistungsfähig und zukunftssicher aufzustellen“, erklärte er in der Mitteilung der Stadt vom 8. September.


Die Höchstwertung heißt allerdings nicht, dass jeder Behördengang online möglich ist. Kuch hatte im Januar laut t-online darauf verwiesen, dass etwa für Personalausweis und Reisepass weiterhin ein persönlicher Termin nötig ist und die Stadt technisch oft mehr könnte, als gesetzlich erlaubt sei.


Was das Bitkom-Ranking nicht misst

Bitkom hat für den Index alle 83 deutschen Städte mit mindestens 100.000 Einwohnern untersucht. Fünf Kategorien fächern sich in 39 Indikatoren und 174 Parameter auf, insgesamt wurden 14.442 Datenpunkte ausgewertet. Rund 75 Prozent der Daten stammen laut Bitkom aus Selbstauskünften der Städte, die mit Quellen belegt und vom Verband anschließend überprüft und validiert wurden.


Bewertet wird damit, welche digitalen Angebote, Infrastrukturen und Projekte eine Stadt vorweisen kann. Wie oft die Angebote genutzt werden, wie lange Bearbeitungen dauern oder wie zufrieden Nutzerinnen und Nutzer sind, geht aus dem veröffentlichten Ranking nicht hervor. Unterstützt wird der Index von Visa, Bentley Systems und PwC Deutschland.


Das Beispiel Krefeld zeigt außerdem, dass eine Spitzenverwaltung allein für eine vordere Gesamtplatzierung nicht reicht. Krefeld erreicht in der Verwaltung ebenfalls 100 Punkte, landet insgesamt aber auf Rang 45. Spitzenreiter Stuttgart liegt dagegen als einzige der 83 Städte in allen fünf Kategorien unter den besten zehn.


Wo Nürnberg Abstand zur Spitze hat

Am schwächsten schneidet Nürnberg bei IT und Kommunikation ab, mit Rang 14 trotz des Sprungs um 23 Plätze. Diese Kategorie führt Hamburg mit 96,0 Punkten an, vor allem wegen einer Glasfaserverfügbarkeit von 80 Prozent, wie Bitkom angibt; der Durchschnitt der Großstädte liegt bei 46 Prozent. Welchen Wert Nürnberg bei der Glasfaserverfügbarkeit erreicht, geht aus den veröffentlichten Unterlagen nicht hervor.


Auch bei Mobilität (Rang 10) und Gesellschaft und Bildung (Rang 11) liegt Nürnberg außerhalb der Spitzengruppe. In der Kategorie Gesellschaft und Bildung bewertet Bitkom unter anderem die Digitalisierung von Schulen und Angebote zur Digitalkompetenz.


Der Blick nach außen: Wie Smart Cities weltweit gemessen werden

Ein internationales Gegenstück zum Bitkom-Ranking ist der Smart City Index des IMD World Competitiveness Center, eines Instituts der Schweizer Wirtschaftshochschule IMD. Die Ausgabe 2026, im März veröffentlicht, vergleicht 148 Städte weltweit. Der Ansatz unterscheidet sich grundlegend: Das IMD befragt laut Methodik rund 120 Einwohnerinnen und Einwohner je Stadt, wie sie Infrastruktur und digitale Dienste in den Bereichen Gesundheit und Sicherheit, Mobilität, Aktivitäten, Chancen und Governance erleben. Gewertet wird ein gleitender Durchschnitt über drei Jahre, die Antworten werden zudem am regionalen Entwicklungsstand kalibriert.


An der Spitze stehen Zürich, Oslo und Genf, dahinter London, Kopenhagen und Dubai; Singapur liegt auf Platz 9. Keine deutsche Stadt erreicht die Top 10:

Stadt

IMD-Rang 2026 (Vorjahr)

Bitkom-Rang 2026

Hamburg

15 (20)

3

München

19 (24)

2

Berlin

29 (37)

33

Düsseldorf

43 (45)

5

Hannover

66 (59)

7

Kiel

88 (74)

40

Stuttgart und Nürnberg, im Bitkom-Ranking auf Platz 1 und 4, sind im IMD-Index nicht vertreten. Wie Nürnberg dort abschneiden würde, lässt sich deshalb nicht sagen.

Der Vergleich zeigt vor allem, dass beide Rankings Verschiedenes messen. Bitkom zählt, welche digitalen Angebote eine Stadt vorweisen kann. Das IMD fragt, wie Einwohnerinnen und Einwohner ihre Stadt erleben. Die Reihenfolge der deutschen Städte unterscheidet sich entsprechend: Berlin liegt bei Bitkom auf Rang 33, beim IMD vor Düsseldorf und Hannover. Das IMD folgert aus seinen Daten, dass Städte mit starken Institutionen und guter Infrastruktur höheres Vertrauen der Bürger berichten und Technologie allein keine besseren Ergebnisse hervorbringt. Die fortschrittlichsten Städte zeichneten sich nicht durch sichtbare Sensornetze aus, sondern dadurch, wie gut sie Verwaltung, Nachhaltigkeit, Investitionen und das Vertrauen der Bürger aufeinander abstimmen, heißt es im Bericht.


Einordnend lässt sich für Nürnberg festhalten: Platz 4 beschreibt eine Spitzenposition unter deutschen Großstädten, gemessen am digitalen Angebot. Ob dieses Angebot die Wahrnehmung der Stadt bei ihren Bewohnern prägt, wie es der IMD-Ansatz misst, ist für Nürnberg nicht erhoben.


Die eigentliche Frage ist die Finanzierung

Kuch hatte die Platzierung bereits im September mit der Finanzlage verbunden. „Deshalb werden wir – gerade in Zeiten knapper Kassen – weiter Prozesse kritisch hinterfragen, optimieren, Ressourcen und smarte Lösungen gezielt dort einsetzen, wo sie echte Mehrwerte schaffen“, heißt es in der städtischen Mitteilung.


Seither hat sich die Haushaltslage zugespitzt. Stadtkämmerer Thorsten Brehm bezeichnete den Entwurf für 2027 bei der Einbringung am 30. September als weder dauerhaft tragfähig noch genehmigungsfähig. Neue Projekte soll es nur noch geben, wenn an anderer Stelle entlastet wird oder die Finanzierung zusätzlich gesichert ist; für Projekte auf der Warteliste ist im Oktober ein „Project Freeze“ vorgesehen. Ob und in welchem Umfang Digitalvorhaben betroffen sind, hat die Stadt bislang nicht öffentlich dargelegt. The Nuremberg Times hat dazu beim zuständigen Referat nachgefragt und ergänzt die Antwort, sobald sie vorliegt.


Bitkom selbst warnt vor dem Auslaufen befristeter Förderung. Viele gute Beispiele seien in zeitlich begrenzten Programmen entstanden, allen voran den Modellprojekten Smart Cities des Bundesbauministeriums, die nun ausliefen. Der Verband fordert eine bundesweit einheitlich definierte digitale Basisinfrastruktur mit dauerhafter Finanzierung, eine Anbindung an den geplanten Deutschland-Stack und ein innovationsfreundlicheres Vergaberecht.


Einordnend lassen sich zwei Lesarten festhalten, die beide in den Quellen angelegt sind. Die Stadt sieht Digitalisierung als Mittel, mit knappen Mitteln effizienter zu arbeiten. Bitkom betont, dass Städte im Ranking zurückfallen, sobald sie das Tempo drosseln. Welche Lesart sich im Nürnberger Haushalt durchsetzt, entscheidet sich mit dem Konsolidierungskonzept.


Bayern vorn, Erlangen mit großem Sprung

Im Ländervergleich löst Bayern 2026 Baden-Württemberg ab. Die bayerischen Großstädte kommen im Mittel auf 79,9 Punkte, die baden-württembergischen auf 78,9. Aus der Metropolregion fällt Erlangen auf: Die Stadt verbessert sich um 19 Plätze auf Rang 56 mit 69,7 Punkten, vor allem durch einen Sprung um 43 Plätze in der Verwaltung. Dort sind laut Bitkom inzwischen alle abgefragten Leistungen nach dem Onlinezugangsgesetz digital verfügbar.


Was als Nächstes kommt

Vom 13. bis 15. Oktober richtet Bitkom in Berlin die Smart Country Convention zur Digitalisierung des öffentlichen Sektors aus. In Nürnberg sollen Haushalt und Konsolidierungskonzept im November beraten und beschlossen werden. Bitkom legt den Index jährlich vor; 2026 erschien er zum achten Mal.


Häufige Fragen

Was ist der Smart City Index?

Der Smart City Index ist ein Ranking des Digitalverbands Bitkom, das jährlich die Digitalisierung aller deutschen Großstädte mit mindestens 100.000 Einwohnern vergleicht. 2026 erschien es zum achten Mal und umfasst 83 Städte. Bewertet wird auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten.


Was ist die digitalste Stadt Deutschlands?

Laut Smart City Index 2026 ist Stuttgart mit 92,8 von 100 Punkten die digitalste Großstadt Deutschlands, vor München (92,0) und Hamburg (91,5). Nürnberg folgt mit 91,3 Punkten auf Platz 4. In der Verwaltung teilen sich Nürnberg und Krefeld mit je 100 Punkten den ersten Platz.


Was ist die digitalste Stadt der Welt?

Im Ranking 2026 des IMD World Competitiveness Center, das 148 Städte weltweit vergleicht, liegt Zürich vorn, vor Oslo und Genf. Dieses Ranking beruht auf Befragungen von Einwohnerinnen und Einwohnern und misst, wie sie Infrastruktur und digitale Dienste ihrer Stadt erleben. Beste deutsche Stadt ist Hamburg auf Platz 15, Nürnberg ist nicht vertreten.


Welche Indikatoren misst der Smart City Index?

Der Bitkom-Index 2026 bewertet fünf Kategorien: Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft und Bildung. Sie umfassen 39 Indikatoren und 174 Parameter, etwa Online-Verwaltungsleistungen, Glasfaser- und 5G-Versorgung, digitale Wärmeplanung, Sharing-Angebote und die Digitalisierung von Schulen. Rund 75 Prozent der Daten liefern die Städte selbst, Bitkom prüft sie anschließend.


Bildnachweis „Foto: Sven Heublein / Stadt Nürnberg“ 

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