Schultheiß Projektentwicklung: Was auf Käufer und Handwerker zukommt
Das Wichtigste in Kürze
Die Schultheiß Projektentwicklung AG aus Nürnberg hat Insolvenz beantragt; das Insolvenzgericht Nürnberg hat Rechtsanwalt Dr. Jochen Zaremba zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt (Az. IN 1530/26).
Nach Informationen der Nürnberger Nachrichten sind rund 90 Beschäftigte und mehr als 150 Wohnungen betroffen, die in Nürnberg und Röthenbach an der Pegnitz im Bau oder in Planung sind.
Auf allen Baustellen des Unternehmens ruhen die Arbeiten seit dem 2. Oktober 2026.
Die ähnlich benannte Schultheiss Wohnbau AG ist ein eigenständiges Unternehmen und nach eigener Aussage nicht betroffen.
Die Insolvenz der Schultheiß Projektentwicklung AG trifft drei Gruppen zugleich: Käuferinnen und Käufer von Wohnungen, die noch nicht fertig sind, Handwerksbetriebe mit offenen Rechnungen und rund 90 Beschäftigte. Der Nürnberger Bauträger hat den Antrag am 2. Oktober 2026 beim Amtsgericht Nürnberg gestellt. Seitdem stehen die Baustellen still.
Wie es für die einzelnen Projekte weitergeht, ist offen. Was sich schon sagen lässt: welche Regeln jetzt greifen, wer welche Risiken trägt und was der Fall für die Region bedeutet.
Was über die Schultheiß-Insolvenz bekannt ist
Das Insolvenzgericht Nürnberg hat die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und am 5. Oktober 2026 bekannt gemacht (Aktenzeichen IN 1530/26). Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Nürnberger Rechtsanwalt Dr. Jochen Zaremba. Die Gesellschaft kann damit nicht mehr frei über ihr Vermögen verfügen: Zahlungen und Verkäufe sind nur noch mit Zustimmung des Verwalters wirksam. Eröffnet ist das Insolvenzverfahren damit noch nicht; darüber entscheidet das Gericht später.
Ein Unternehmenssprecher bestätigte die Insolvenz gegenüber der Immobilien Zeitung. Als Grund wird eine drohende Zahlungsunfähigkeit genannt. Der designierte Insolvenzverwalter hat für alle laufenden Baustellen einen Baustopp verhängt und rät Kunden wie Handwerkern, Ruhe zu bewahren.
Welche Bauprojekte betroffen sind
Betroffen sind mehr als 150 Wohnungen in Nürnberg und Röthenbach an der Pegnitz, die im Bau oder in Planung sind. Auf ihrer Website führt die Schultheiß Projektentwicklung unter anderem die Projekte „Der Sailersberg“, „Parklife Gebersdorf“, „Schwabacher Straße“ und „Gründlacher Gärten“. Für ein Vorhaben mit 20 Wohnungen in Nürnberg hatte das Unternehmen zuletzt Richtfest gefeiert.
Am Sailersberg in Röthenbach an der Pegnitz entstehen 16 Eigentumswohnungen, die im Januar 2027 fertig sein sollten. Auch diese Baustelle ist stillgelegt. Wie viele Wohnungen bereits verkauft sind und wie viele Käufer betroffen sind, ist bislang nicht öffentlich.
Was Käufer jetzt wissen sollten
Wer eine Wohnung vom Bauträger kauft, zahlt in Deutschland nicht im Voraus, sondern in Raten nach Baufortschritt; so schreibt es die Makler- und Bauträgerverordnung vor, höchstens in sieben Teilbeträgen. Abgesichert wird der Anspruch auf das Eigentum in der Regel über eine Auflassungsvormerkung im Grundbuch. Beides begrenzt das Risiko, beseitigt es aber nicht.
Denn im Insolvenzfall entscheidet der Insolvenzverwalter, ob ein Projekt weitergebaut wird. Wird es nicht fortgeführt, bleibt Käufern nach Darstellung von Verbraucherratgebern meist nur, den Rohbau zu übernehmen und mit einem anderen Unternehmen fertigzustellen. Mehrkosten können sie dann in der Regel nur als Forderung im Insolvenzverfahren anmelden.
Ratgeber empfehlen in dieser Lage, keine weiteren Raten zu zahlen, bevor die Lage geklärt ist, den Baustand dokumentieren zu lassen und rechtlichen Rat einzuholen. Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Handwerker und Beschäftigte
Für Handwerksbetriebe, die für Schultheiß gearbeitet haben, werden offene Rechnungen aus der Zeit vor dem Antrag zu Insolvenzforderungen. Wie viel davon am Ende bezahlt wird, zeigt sich erst im Lauf des Verfahrens. Branchenberichte weisen darauf hin, dass solche Ausfälle vor allem kleinere Betriebe am Ende der Lieferkette treffen.
Die rund 90 Beschäftigten der Schultheiß Projektentwicklung haben nach geltendem Recht für bis zu drei Monate Anspruch auf Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit. Ob und in welchem Umfang Arbeitsplätze erhalten bleiben, hängt davon ab, ob der Geschäftsbetrieb fortgeführt wird.
Einordnung: ein Bauträger mit langer Vorgeschichte
Die Schultheiß Projektentwicklung AG ist seit 2009 am Markt und baut in der Metropolregion Nürnberg Mehrfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser, nach eigener Darstellung auch im geförderten Wohnungsbau.
Die Schwierigkeiten reichen weiter zurück. Im Mai 2024 hatte das Unternehmen nach einem Bericht von NUE-NEWS Kurzarbeit für 147 Beschäftigte angemeldet. Der Umsatz war demnach von fast 72 Millionen Euro auf knapp 53 Millionen Euro im Jahr 2021 gesunken.
Die Insolvenz fällt in eine Phase, in der die Statistik für den Wohnungsbau wieder freundlicher aussieht. Laut Bayerischem Landesamt für Statistik wurden im ersten Quartal 2026 in Mittelfranken 42,6 Prozent mehr Wohnungen genehmigt als ein Jahr zuvor, bayernweit 12,1 Prozent mehr. Ob diese Belebung Unternehmen hilft, die bereits in Schieflage geraten sind, lässt sich daraus nicht ablesen. Für die Region bedeutet der Fall zunächst, dass mehr als 150 geplante Wohnungen später oder womöglich gar nicht fertig werden.
Nicht zu verwechseln: Schultheiss Wohnbau AG
In Nürnberg gibt es mit der Schultheiss Wohnbau AG ein weiteres Unternehmen mit ähnlichem Namen. Nach eigener Aussage ist es eigenständig und vom Insolvenzantrag nicht betroffen.
Wie es weitergeht
Der vorläufige Insolvenzverwalter prüft nun die wirtschaftliche Lage und die einzelnen Projekte. Danach entscheidet das Insolvenzgericht Nürnberg, ob das Verfahren eröffnet wird. Welche Baustellen fortgeführt werden, wie viele Käufer betroffen sind und ob es Interessenten für einzelne Projekte gibt, ist noch offen. Eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens oder des Verwalters lag bis zum 6. Oktober 2026 nicht vor.
Titelbild: Symbolbild, keine Baustelle der Schultheiß Projektentwicklung. Foto: annawaldl/Pixabay





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