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Nachtflugverbot Nürnberg: Der Stadtrat streitet über die Kernnacht

vor 15 Stunden
4 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Flughafen Nürnberg ist die Zahl der nächtlichen Flugbewegungen laut Flughafen von 8.635 im Jahr 2023 auf 11.459 im Jahr 2025 gestiegen, ein Plus von knapp 33 Prozent.

  • Nürnberg ist der einzige der drei bayerischen Verkehrsflughäfen ohne Nachtflugverbot; nachts dürfen nur Maschinen der sogenannten Bonusliste starten und landen, die seit 2003 nicht mehr aktualisiert wurde.

  • Zum Thema liegen Anträge der Piraten & Humanisten, der Freien Wähler, der Fraktion Grüne – Volt und der CSU vor; nur Piraten & Humanisten und Freie Wähler fordern ausdrücklich ein Nachtflugverbot.

  • Die Flughafen Nürnberg GmbH gehört je zur Hälfte der Stadt Nürnberg und dem Freistaat Bayern; ein Verbot kann die Stadt nicht allein durchsetzen.

  • Oberbürgermeister Marcus König (CSU) schließt ein Nachtflugverbot aus; die CSU-Fraktion setzt stattdessen auf stärker gestaffelte Entgelte, einen Nachtflugbericht und ein „Nachtflugkonzept 2030“.



Ein Nachtflugverbot am Flughafen Nürnberg ist politisch weiter nicht mehrheitsfähig, doch der Stadtrat muss sich nun mit dem Nachtfluglärm befassen. Auf dem Tisch liegt unter anderem ein Antrag von Lukas Küffner, Einzelstadtrat der Piraten & Humanisten, der langfristig eine Kernnachtruhe anstrebt. Im Podcast „Antragslage“ von The Nuremberg Times erklärt Küffner im Gespräch mit Moderator Kevin Kienle, warum er seinen Antrag trotz geringer Erfolgsaussichten für richtig hält.


Warum gibt es in Nürnberg kein Nachtflugverbot?

Der Flughafen Nürnberg ist der einzige der drei bayerischen Verkehrsflughäfen, an dem nachts regulär geflogen werden darf. In München ist der Nachtbetrieb streng begrenzt, in Memmingen ebenfalls eingeschränkt. In Nürnberg dürfen nachts Flugzeuge starten und landen, die auf der sogenannten Bonusliste des Bundesverkehrsministeriums stehen, einer Liste vergleichsweise lärmarmer Flugzeugtypen. Diese Liste wurde zuletzt 2003 aktualisiert.


Küffner hält sie deshalb für überholt: Moderne Flugzeuge seien heute deutlich leiser als viele Typen, die nach der alten Liste noch als leise gelten. Nach seinen Angaben hat auch das Bundesverkehrsministerium bereits 2019 erklärt, die Liste solle für die Lärmbeurteilung nicht mehr herangezogen werden.


Hinzu kommt eine Besonderheit der Lage: In Ziegelstein, Buch und auf Boxdorfer Seite reicht die Wohnbebauung nah an den Flughafen heran. Lärmschutzfenster helfen nach Küffners Einschätzung im Sommer wenig, weil Anwohnerinnen und Anwohner nachts lüften müssen. Nächtliche Starts nennt er „eine Zumutung für die Anwohner“.


Nachtflüge in Nürnberg: Zahlen und Kosten

Laut Flughafen Nürnberg stieg die Zahl der Nachtflugbewegungen von 8.635 (2023) über 9.762 (2024) auf 11.459 (2025). Gleichzeitig verzeichnete der Flughafen 2025 mit rund 4,51 Millionen Passagieren ein Rekordjahr; der Verlust sank auf rund 1,1 Millionen Euro.


Nachts zu fliegen ist für Airlines bereits teurer: Der Flughafen erhebt nachts höhere Entgelte; laut Stadt Nürnberg (Stand: Januar 2026) inzwischen deutlich höhere für nächtliche Abflüge älterer, lauterer Maschinen. Küffner zufolge reicht der Aufschlag aber offenkundig nicht, um Flüge in den Tag zu verlagern. Die Stadt Nürnberg bezeichnet ein generelles Verbot als „erheblichen Eingriff in den bestehenden Flugbetrieb“. Oberbürgermeister Marcus König (CSU) argumentiert, ohne Nachtslots würden manche Airlines nicht tagsüber, sondern gar nicht mehr ab Nürnberg fliegen.


Küffner will diese wirtschaftliche Abhängigkeit belegt sehen; ein Geschäftsmodell, das allein von Nachtflügen abhänge, hält er für fragwürdig. Er hat die Verwaltung gebeten, aufzuschlüsseln, welche Airlines nachts auf welchen Strecken fliegen und welchen wirtschaftlichen Anteil die Nachtflüge haben. „Wir haben die Daten aktuell einfach nicht“, sagt er.


Vier Anträge, ein Konflikt

Am 10. September 2026 demonstrierten nach Veranstalterangaben rund 1.000 Menschen auf dem Hauptmarkt für ein Nachtflugverbot; unter den Rednern war Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD). Küffner reichte seinen Antrag nach eigenen Angaben am 11. September ein. Inzwischen liegen weitere Anträge vor:


Antragsteller

Kernforderung

Piraten & Humanisten (Lukas Küffner)

laut Küffner: Nachtflugverbot bzw. Kernnachtruhe, Überarbeitung der Bonusliste, Daten zu Nachtflügen

Freie Wähler

Nachtflugverbot (laut Fluglärm-Schutzgemeinschaft; im Wahlprogramm: 0 bis 5 Uhr)

Grüne – Volt

Machbarkeitsstudie zur Lärmminderung, Auskunft zu Entgelten, Bonusliste und Schallschutz

CSU (19. Oktober 2026)

Kein pauschales Verbot; Schutz der Kernnacht 0–5 Uhr, „Nachtflugkonzept 2030“, stärker gespreizte Entgelte, jährlicher Nachtflugbericht, Evaluation nach drei Jahren



Was Küffner konkret fordert

  • Innerhalb eines Jahres: Überarbeitung der Liste zugelassener Nachtflugzeuge.

  • Bis Ende 2027: Anhebung der Nachtentgelte, möglichst auf das Niveau anderer Flughäfen.

  • Bis 2030: Datensammlung und Auswertung zu Flugbewegungen und Lärm, danach eine Entscheidung über eine Kernnachtruhe, etwa von 0 bis 5 Uhr.

Ein Verbot sei ohnehin nur mit dem Freistaat als Miteigentümer und über eine Änderung der Betriebsgenehmigung möglich. Offen ist für ihn auch der Umgang mit Verspätungen: Ein verspäteter Ferienflieger, der erst nach Beginn einer Ruhezeit ankommt, dürfe nicht in ein anderes Bundesland ausweichen müssen; hier brauche es Spielraum. Sein Ziel formuliert er als Kompromiss, „womit am besten alle Beteiligten auch leben können“.


Einordnung

Die Debatte zeigt ein strukturelles Problem: Betroffen sind Menschen in Nürnberger Stadtteilen und im Umland, etwa in Fürth. Über den Betrieb bestimmen aber vor allem die beiden Gesellschafter Stadt und Freistaat sowie die Genehmigungsbehörde; Fürth ist lediglich in der beratenden Fluglärmkommission vertreten. Der Stadtrat will sich nach Angaben der Fluglärm-Schutzgemeinschaft in der Sitzung am 16. Dezember 2026 ausführlich mit dem Thema befassen. Realistisch ist dort eher eine Verschärfung der Regeln als ein Verbot.


Häufige Fragen


Gibt es in Nürnberg ein Nachtflugverbot?

Nein. Am Flughafen Nürnberg sind Starts und Landungen rund um die Uhr erlaubt. Nachts dürfen jedoch nur Flugzeugtypen verkehren, die auf der Bonusliste des Bundesverkehrsministeriums stehen. Nürnberg ist damit der einzige bayerische Verkehrsflughafen ohne Nachtflugverbot (Stand: 30. Oktober 2026).


Wie lange dürfen Flugzeuge in Nürnberg landen?

In Nürnberg dürfen Flugzeuge grundsätzlich die ganze Nacht landen und starten, sofern sie auf der Bonusliste lärmarmer Flugzeugtypen stehen. Nachtflüge kosten die Airlines höhere Entgelte als Flüge am Tag.


Hat der Flughafen München ein Nachtflugverbot?

Am Flughafen München ist der Nachtflugbetrieb deutlich stärker eingeschränkt als in Nürnberg. Der Flughafen Nürnberg ist der einzige der drei bayerischen Verkehrsflughäfen, an dem nachts regulär geflogen werden darf.



Dieser Beitrag beruht auf der ersten Folge der Podcast-Reihe „Antragslage“ von The Nuremberg Times mit Stadtrat Lukas Küffner (Piraten & Humanisten), ergänzt um Angaben des Flughafens Nürnberg, der Stadt Nürnberg und der Stadtratsfraktionen. Angaben zu Küffners Antrag und Zeitplänen beruhen auf seinen Aussagen im Podcast.

Titelbild: Ein Flugzeug im Landeanflug auf den Flughafen Nürnberg in der Abenddämmerung. Foto: Airport Nürnberg/Max Haselmann

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