Frauenfußball SGV 1883: Mit 17 Jahren zwischen den Pfosten der Landesliga
- Paul Arzten

- 9. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Eine Torhüterin, die sich ihren Platz selbst erkämpft hat — und genau weiß, wohin die Reise geht.
Denise ist 17 Jahre alt, trägt die Trikotnummer 67 und hütet das Tor der ersten Damenmannschaft der SG Viktoria Nürnberg-Fürth 1883. Im Podcast spricht sie über ihren ungewöhnlichen Einstieg in den Torhüterinnen-Sport, die abgeschlossene Premierensaison in der Landesliga und das, was den Frauenfußball aus ihrer Sicht von den Männern unterscheidet — nicht technisch, sondern menschlich.
Wie wird man mit drei Jahren zur Fußballerin?
Der Weg beginnt beim Vater. Denises Vater ist nach eigenen Angaben seit über 25 Jahren im Fußball aktiv und war Jugendleiter beim TSV Johannes in Nürnberg. Mit drei Jahren kam Denise in das Vereinsleben, spielte zunächst in altersgemischten Gruppen und früh auch bei Jahrgängen, die älter waren als sie selbst. Ihren Angaben nach wechselte sie später zum FC Bankikas und anschließend zur SpVgg Greuther Fürth, wo sie zunächst bei den Jungs, dann bei den Mädchen spielte — mit 15 Jahren folgte schließlich der Wechsel in die erste Damenmannschaft der SGV 1883.
Torhüterin wurde sie nicht aus Plan, sondern aus Zufall: „Es war irgendwann mal ein Spiel, wir hatten keinen Torwart, und dann wollte ich unbedingt ans Tor — und es hat sich dann einfach ergeben, dass ich weiter am Tor bleibe." Heute ist Denise nach eigenen Aussagen die jüngste Spielerin im Kader. In einer Woche, zum Zeitpunkt der Aufnahme, feiert sie ihren 18. Geburtstag.
Trikotnummer 67: Viral vor dem Hype
Dass Denise ausgerechnet die Rückennummer 67 trägt, sorgte im Gespräch für Heiterkeit. Die Zahl wurde ihr bei den Jungs der SpVgg Fürth zugeteilt — sie behielt sie. Dass die Kombination „6" und „7" durch Lionel Messis Wechsel in die USA globale Aufmerksamkeit erlangte, war da noch Zukunftsmusik. „Auf einmal ging der Hype los", sagt Denise — und lacht. Kevin, Co-Moderator des Podcasts, bringt es auf den Punkt: „Du musst es so sehen: Der Hype hat das von dir geklaut."
Vorurteile als größtes Hindernis für den Frauenfußball
Was muss sich verändern? Die Antwort kommt ohne Zögern: Vorurteile. „Frauen sollten kein Fußball spielen — im Vergleich zu den Männern finde ich, das ist ein ganz schlimmes Vorurteil." Denise formuliert das nicht als Klage, sondern als nüchterne Bestandsaufnahme eines Problems, das den Sport auf allen Ebenen bremst.
Gleichzeitig benennt sie, was den Frauenfußball aus ihrer Erfahrung auszeichnet: den Zusammenhalt. Der Unterschied zu den Mannschaften, in denen sie zuvor mit Jungs spielte, sei spürbar: „Es ist viel mehr Familie, viel mehr Dasein. Jeder sorgt sich für jeden, jeder freut sich auch mehr für jeden." Konkurrenz gibt es — auch zwischen den Torhüterinnen — aber sie führe ihrer Darstellung nach nicht zu Konflikten.
Die SGV 1883: Strukturen, die Seltenheitswert haben
Dass die SGV 1883 in Nürnberg-Fürth eine durchgängige Mädchen- und Frauenstruktur von der U9 bis zur ersten Damenmannschaft aufgebaut hat, ist nach Denises Aussagen keine Selbstverständlichkeit. „Von der U9 bis zur Damenmannschaft — komplett. Das ist gerade im Frauenfußballbereich etwas Besonderes und etwas Starkes." Andere Vereine in der Region hätten zwar ähnliche Strukturen, aber seltener bereits in der U9.
Daneben betreibt der Verein laut Denise aktive Nachwuchsrekrutierung: Probewochen, Schnuppertage, Flyer — ein Angebot, das niedrigschwellig Mädchen ansprechen soll. Der Verein kooperiert auch mit überregionalen Angeboten: Denise erwähnt Camps von bundesweit aktiven Nachwuchsorganisationen, ohne konkrete Namen zu nennen.
Erste Saison in der Landesliga: Entwicklung als Maßstab
Für die SGV 1883 war die abgelaufene Spielzeit die erste in der Landesliga — nach dem Aufstieg. Denises Fazit: „Wir haben als Aufsteiger gegen die ersten Plätze richtig gute Spiele gespielt. Teilweise unentschieden und auch Spiele gewonnen. Ich finde, wir haben eine Mega-Entwicklung gemacht." Dass eine Spielerin den Verein in Richtung USA verlässt, sei der einzige Abgang — die Mannschaft bleibt weitgehend zusammen.
Für die neue Saison gibt Denise die Richtung vor: angreifen, besser werden, zeigen, wozu das Team fähig ist. Und für sich persönlich? Ein Traum existiert noch — einst gab es zwei Probetrainings bei Eintracht Frankfurt. „Das war schon ein Traum", sagt sie. Heute ist der Fokus ein anderer: mit der SGV weiter aufsteigen. Und vielleicht irgendwann selbst gegen Frankfurt spielen.
Als Lieblingsspielerinn benennt Denise die Schweizer Torhüterin Romero vom 1. FC Nürnberg, die sich in der vergangenen Saison von der Nummer drei zur Stammtorhüterin gekämpft hat und erstmals für die Schweizer Nationalmannschaft nominiert wurde — eine Geschichte, mit der sich Denise erkennbar identifiziert.




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